Garten

Hühnerbesuch oder: Es ist nicht so, wie du denkst

Seit einigen Tagen haben wir eine neue Mitbewohnerin auf dem Grundstück. 

Keiner weiß, woher sie kam oder wer sie vielleicht vermissen könnte. 

Doch für mich scheint es klar, dass sie sich im großen Garten mit all den lebendigen Pflanzen, Insekten und Würmern so richtig wohlfühlt. 

Was zusammen mit diesem zweibeinigen tierischen Besuch bei mir gelandet ist?

Angst und gleichzeitig auch ein kleines Schmunzeln a la „Na, das hat sich das Leben ja wieder gut ausgedacht“.

Denn die bisherigen Begegnungen von meinem vierbeinigen Mitbewohner Shavi mit den zweibeinigen, gefederten Wesen gingen oft alles andere als freudig aus. Zumindest für die Hühner. Shavi scheint sie etwas zu gerne zu haben. 

Das hat für seine menschlichen Begleiter auf Spaziergängen schon zu einigen eher unangenehmen Gefühlen geführt. Manche Wege entlang des Flusses auf der „Hühnerseite“ werden bewusst gemieden. So ganz im Frieden bin ich mit dieser Situation nicht und meine bisherige Strategie war vor allem „Vermeidung“.  

Jetzt ist dieses Huhn dort, wo ich mich mit der Hühnerangst am sichersten fühlen sollte? Irgendetwas möchte mir hier wohl ganz klar etwas sagen: Du kannst vor der Angst nicht weglaufen. Schau hin. 

Und auch:

Es ist nicht so, wie du denkst.

Nein, es ist wirklich nicht so, wie der Kopf sich das dachte. Shavi und das Huhn können beide im Garten sein. Und das seit mehreren Tagen. Er kann es beobachten und ihm sogar näher kommen. Nichts ist passiert. 

Der Kopf möchte da gerne ergänzen: Noch nicht. 

Doch da ist auch eine andere Stimme. Eine, die sagt, dass dieses Huhn gut für Shavi und mich ist. Vielleicht sogar mehr für mich als für Shavi.

Es ist nicht so, wie du denkst.

Das scheint gerade immer wieder und in diversen Lebensbereichen zu mir zu kommen:

Der Kopf sagt, dass ich nicht im Frieden sein kann, wenn vier Bauarbeiter auf dem Dach arbeiten. In diesem Moment sitze ich sogar unter freiem Himmel und höre Plastik und Steine fallen. Wie soll ich da denn bei mir bleiben? Doch da ist etwas, lauter und gleichzeitig stiller und tiefer: Es ist nicht so, wie du denkst. Frieden ist schon da. 

Da ist auch der Glaube, dass mein neues Angebot eine geschlossene Gruppe sein muss, damit sich alle sicher fühlen und verletzlich zeigen können. Doch irgendwas weiß, dass auch das nicht so ist, wie ich denke. Dieses Irgendwas weiß auch, dass jeder Raum in sich vollkommen ist. 

Manchmal wird die ausgedachte Geschichte des Kopfes ganz schnell, ja sogar automatisch, entlarvt. Und manchmal braucht es ein paar Stunden, Tage oder sogar Wochen – wie bei meinem Angebot, das sich jetzt viel offener und auch stimmiger anfühlt.


Es braucht so lange, wie es dauert. Und das ist immer wahr.
Egal, was der Kopf darüber denkt. 

 

Welche Geschichte hat dein Kopf dir präsentiert, als du den Titel dieses Blogbeitrags gelesen hast? Und was hast du bisher gelesen?




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